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Die Legende vom Räuber Lips Tulian.

The Outlaw of the Saxon Woods English translation available * A historical outlaw saga from 18th-century Saxony.

Fundstück im Frost sächsischer Wälder: Dies ist kein Märchen über edle Ritter und strahlenden Helden. Es ist das Echo von Hufschlag auf gefrorenem Boden, das Knirschen von Stiefeln im Schnee und der beißende Geruch von Leder, Rauch und Pferd. Spüren Sie die Kälte auf Ihrer Haut, hören Sie das Klirren der Waffen, riechen Sie wie den Rittern die Angst in den Knochen steckt. Dies ist eine Fiktion, aber die Spur, der Sie folgen, führt durch die Wälder des Erzgebirges, durch die Schatten Ihrer eigenen Entscheidungen. Sie sind nicht nur Leser. Sie sind der nächste, der die Stimme von Lips Tulian hört. Atmen Sie den Frost ein. Halten Sie inne. Wenn Sie weiterlesen, werden Sie Teil der Legende. Willkommen im Wald der unbesiegbaren Bande.

Die Nacht der ersten Tat.

Der Frost kroch aus der Erde, als Lips Tulian die Hand hob. In den Wäldern jenseits von Moritzburg hielten seine Männer die Pferde, den Atem sichtbar in der kalten Luft. Eine Legende beginnt nicht mit Worten. Sie wird mit einer Tat eröffnet, die niemand vergisst. Die Nacht war schwarz, der Himmel ein Tuch aus Eis, und die Elbe lag still wie ein gefrorener Atemzug. Lips saß im Sattel, den schwarzen Mantel eng um die Schultern, und spürte die Kälte nicht. Er spürte nur den Rhythmus der Hufe, den Herzschlag seiner Männer, das leise Klirren der Waffen. Vor ihnen lag Pillnitz, das Keppschloss, die Schifferkirche Maria am Wasser. Ein Ziel, das er seit Wochen im Kopf trug, ein Plan, der reifen musste wie eine Frucht im Herbst. Er hatte keine Angst. Angst war etwas für Männer, die etwas zu verlieren hatten. Lips Tulian hatte alles verloren, bis auf die Freiheit. Und die würde er sich nehmen, mit jedem Schatz, den die Herren dieser Welt für sich beanspruchten.

Die Geburt eines Gesetzlosen.

Philipp Ziegesar war nicht als Räuber geboren. Philipp kam aus gutem Haus, irgendwo im Magdeburgischen, ein Junge mit klugen Augen und feinen Manieren. Sein Vater hatte ihn für den Dienst an einem Hof bestimmt, doch der Krieg riss ihn fort. Er diente als Reitersmann, trug verschiedene Uniformen, lernte den Umgang mit Degen und Pistole. Der Krieg lehrte ihn, wie billig ein Leben war und das der Tod jeden traf, unabhängig von Stand und Namen. Als er desertierte, begann der Abstieg. Spielschulden, verlorene Anstellungen, die Schande, die ihn von den Tischen der Bürger vertrieb. Er schloss sich dem fahrenden Volk an, lernte die Kunst der Täuschung, die Sprache der Hehler, die Wege der Gesetzlosen. Aus Philipp Ziegesar wurde Lips Tulian, ein Name, der in den Schenken geflüstert wurde. Seine ersten Taten waren klein: ein gestohlenes Pferd, ein Betrug im Wirtshaus, eine Hand voll Münzen aus einer Manteltasche. Doch er lernte schnell. Er beobachtete, plante, täuschte. Seine gepflegte Erscheinung öffnete Türen, die anderen Räubern verschlossen blieben. Er war kein Schläger. Er war ein Schatten, der durch die feine Gesellschaft glitt, ohne Spuren zu hinterlassen. Und genau das machte ihn so gefährlich.

Der erste große Coup.

Sein erster großer Coup war ein Pferdediebstahl in einer Nacht, die so dunkel war, dass man die eigene Hand nicht sah. Er führte drei Pferde aus einem Stall, während die Knechte schliefen, und verkaufte sie am nächsten Morgen auf einem Markt, ohne dass jemand Fragen stellte. Das Geld reichte für Wochen, aber es zerrann ihm zwischen den Fingern. Er spielte, verlor, gewann, verlor wieder. Die Straße rief ihn, die Landstraßen zwischen Leipzig, Dresden und Prag, auf denen Händler mit vollen Taschen reisten. Er begann, Reisende zu bestehlen, nicht mit Gewalt, sondern mit List. Er gab sich als Kaufmann aus, als verarmter Adliger, als Diener eines hohen Herrn. Er sprach höflich, lächelte gewinnend, und wenn er ging, fehlte ein Beutel, ein Ring, ein Siegel. Die Opfer bemerkten es oft erst, wenn er längst über alle Berge war. In den Gasthöfen lernte er Nickel List kennen, einen der berüchtigtsten Räuber seiner Zeit. Sie verstanden sich auf Anhieb. List erkannte das Talent des jungen Mannes und nahm ihn in seine Bande auf. Gemeinsam planten sie den Einbruch in die Braunschweiger Katharinenkirche, ein Verbrechen, das in ganz Deutschland für Aufsehen sorgte. Lips war dabei, still, präzise, unauffällig. Er lernte, Kirchen zu plündern, ohne Spuren zu hinterlassen. Doch die Bande zerbrach, und Lips übernahm die Führung.

Die schwarze Garde formiert sich.

Die Männer, die ihm folgten, nannten sich die schwarze Garde. Sie waren ein zusammengewürfelter Haufen, Deserteure, entlaufene Knechte, gescheiterte Handwerker, Männer ohne Zukunft, aber mit Mut. Lips formte sie zu einer Einheit. Er lehrte sie, leise zu sein, im Schatten zu verschwinden, die Zeichen des Waldes zu lesen. Er verlangte Disziplin, aber er teilte die Beute gerecht. Keiner seiner Männer musste hungern, keiner musste frieren. Dafür verlangte er Loyalität, bedingungslos und ohne Zögern. Die schwarze Garde wurde sein Schild, seine Waffe, seine Familie. Sie ritten durch die Wälder Sachsens, schlugen zu, wenn niemand es erwartete, und verschwanden, bevor die Obrigkeit reagieren konnte. Lips kannte jeden Hohlweg, jede Furt, jedes Versteck. Der Tharandter Wald und der Rabenauer Grund wurden seine Festung. Dort, zwischen dichten Buchen und rauschenden Bächen, plante er seine Züge, teilte die Beute, wartete auf den nächsten Coup. Die Bauern der Umgebung fürchteten ihn und bewunderten ihn zugleich. Er bestahl die Reichen, verschonte die Armen, und wenn er einem Köhler einen Taler in die Hand drückte, dann erzählte der es weiter. Die Legende wuchs, und mit ihr der Preis auf seinen Kopf.

Das Ziel in der Nacht.

Sie erreichten den Hang des königlichen Weinbergs Wachwitz, bevor der Mond aufging. Lips hob erneut die Hand. Die Männer hielten. Im Elbtal lag das Keppschloss, hell erleuchtet, die Ritter auf den Mauern wie schwarze Nadeln vor dem Himmel. Lips schenkte dem Anblick keine Sekunde. Sein Blick folgte dem Flusslauf, dorthin, wo die Schifferkirche Maria am Wasser im Dunkeln stand. Er durchschaute, was die Ritter bewachten. Er witterte, was sie nicht bewachten. Die Obstplantage lag verlassen, der Hofladen verschlossen. Niemand erwartete einen Überfall auf eine Kirche. Genau darin lag die Freiheit. Er kannte die Kirche, ihre Türen, ihre Fenster, ihre Schätze. Er hatte sie ausgekundschaftet, in der Verkleidung eines frommen Wanderers, der eine Kerze für die Heilige Jungfrau entzünden wollte. Die Küsterin hatte ihn freundlich empfangen, ihm die Altäre gezeigt, die Votivgaben der Schiffer, die silbernen Kelche im Schrank der Sakristei. Er hatte sich alles gemerkt, die Lage der Fenster, die Stärke der Türen, die Gewohnheiten der Wächter. Jetzt, in der kalten Nacht, war die Zeit gekommen. Er gab ein Zeichen, und die schwarze Garde setzte sich in Bewegung.

Der Überfall auf die Kirche.

Die schwarze Garde schlich durch die Obstplantage. Lips führte den Zug an, die Schritte auf dem gefrorenen Gras gedämpft. Das Tor in der Kirchmauer gab nach einem kraftvollen Stoß auf. Der Riegel zerbrach mit einem Ton, der in der Stille wie ein Schuss klang. Lips erstarrte, doch niemand kam. Im Inneren roch es nach Weihrauch und altem Holz. Der Altar glänzte im dürftigen Licht einer vergessenen Kerze. Lips Männer suchten. Sie fanden die Schatzkiste unter dem Chorgestühl, gefüllt mit Talern, Kelchen, Monstranzen. Er stopfte seine Manteltaschen voll, die anderen taten es ihm gleich. Keiner sprach. Das war ihre Art. Die Beute war reich: ein vergoldeter Silberkelch, eine silberne Patene, ein schweres Messingbecken, mehrarmige Altarleuchter, bestickte Altartücher, silberne Votivtafeln, die dankbare Schiffer nach überstandener Gefahr gestiftet hatten. Lips zog eine kleine Pyxis aus dem Schrank, fein gearbeitet, das Silber kalt unter seinen Fingern. Er steckte sie ein, zusammen mit dem Geld aus dem Opferstock, das in einem Lederbeutel klimperte. Die Männer arbeiteten schnell und leise, geübt in der Kunst des Plünderns. Dann, ein Pfiff, und sie waren draußen, die Beute schwer auf den Schultern, die Nacht um sie herum wie ein schützender Mantel.

Der Alarm ertönt.

Das Horn klang aus dem Dorf Hosterwitz. Es riss die Nacht auf. Lichter flammten auf, Stimmen schrien. Lips erfasste sofort, was geschehen war. Jemand hatte sie gesehen. Er gab keinen Befehl, er rannte. Die Männer folgten ihm, die Satteltaschen schwer, die Pferde tänzelten ungeduldig. Sie stürmten aus der Kirche, sprangen auf, jagten in den Wald. Hinter ihnen die Rufe der Wachen, dann das Klirren von Schwertern. Die Ritter vom Keppschloss hatten sich in Bewegung gesetzt. Lips riss sein Pferd herum, ein Speer zischte an seinem Kopf vorbei. Er lachte. Die Flucht vor Verfolgern war seine eigentliche Stärke. Der Wald nahm sie auf, die Äste schlugen ihnen ins Gesicht, die Hufe donnerten über den gefrorenen Boden. Lips kannte die Wege, die engen Pfade, die verborgenen Furten. Er führte seine Männer durch das Dickicht, ließ sie absteigen, führte die Pferde am Zügel durch das Unterholz. Die Verfolger kamen näher, ihre Fackeln warfen zuckende Schatten. Lips fluchte leise, aber er blieb ruhig. Er wusste, dass die Nacht ihn schützte, dass der Wald sein Verbündeter war. Ein Reiter stürzte. Lips half ihm auf, ohne zu zögern. „Weiter“, zischte er. „Die Elbe wartet.“

Die Flucht durch den Wald.

Sie ritten, bis die Pferde schäumten. Die Waldung am Ufer gab ihnen Deckung, doch die Verfolger ließen nicht ab. Lips hörte ihre Rufe, sah ihre Fackeln zwischen den Bäumen. Er führte seine Männer durch das dichteste Dickicht, ließ sie absteigen, führte die Pferde am Zügel durch das Unterholz. Ein Reiter stürzte. Lips half ihm auf, ohne zu zögern. Sie erreichten das Elbufer, sobald das erste Grau des Morgens den Himmel färbte. Am Ufer lag die Schlossfähre, festgemacht an einem Pfahl. Lips durchtrennte das Seil mit einem Schwerthieb, trieb die Männer an Bord. Die Fähre löste sich vom Ufer, trieb hinaus auf den Strom der Elbe. Das Wasser war schwarz und kalt, die Strömung stark. Die Männer ruderten, bis die Arme schmerzten und die Hände brannten. Hinter ihnen, am Ufer, standen die Ritter, schrien, schossen Pfeile, die im Wasser versanken. Lips stand am Heck, den Blick auf das andere Ufer gerichtet. Er dachte an die Beute, an den Schatz, den er nie zählen konnte, an die Freiheit, die dort drüben wartete. Der Fluss trug sie, langsam, aber sicher. Und Lips empfand den Rausch des Entkommens.

Die andere Seite des Flusses.

Die Verfolger standen am Ufer, schossen Pfeile, die im Wasser versanken. Lips und seine Männer ruderten, bis die Arme schmerzten und die Hände brannten. Das Wasser der Elbe plätscherte schwarz und kalt. Und Lips empfand den Rausch des Entkommens. Auf der anderen Seite warteten die Wälder um Zschachwitz. Sie betraten das Ufer mit dem ersten Sonnenstrahl. Lips führte die Männer zu Pferd durch die Wälder um Zschachwitz, vorbei an Feldern, die unter einer dünnen Reifschicht lagen. Sie ritten den Viertelacker hinauf, die Hufe fanden festen Boden auf den gefrorenen Feldwegen. Auf dem Krähenhügel hielt Lips an. Hinter ihnen lag das Elbtal im Morgenlicht, die Türme der Kirche und Schloss Pillnitz winzig, die Elbe ein silberner Strich, und im Osten die ersten Erhebungen der Sächsischen Schweiz. Auf dem Hügel das Mausoleum der Freiherren von Kap-Herr. Den stillen steinernen Bau streifte Lips mit einem kurzen Blick. Die schwarze Garde trieb die Pferde weiter, in den Lockwitzgrund, wo die Lockwitz zwischen Eisresten plätscherte. Die Dörfer lagen verlassen, die Waldungen zogen sich wie ein Vorhang um sie. Nachdem sie Kreischa erreichten, das Erzgebirgsvorland vor sich, ließ Lips die Zügel locker. Seine Männer ebenso. Hinter ihnen lag die Verfolgung, vor ihnen der Wald und die Freiheit der Gesetzlosen.

Die Jagd beginnt.

Die Nachricht verbreitete sich schneller, als ein Pferd laufen konnte. Im Morgengrauen wusste jeder in Pillnitz, dass Lips Tulian und seine schwarze Garde die Schifferkirche Maria am Wasser geplündert hatten. Die Bewohner sprachen von einem Sakrileg. Die Ritter vom Keppschloss zogen aus, um die Spur aufzunehmen. Lips und seine Männer zogen sich in das Erzgebirge zurück. Sie fanden Schutz in den Wäldern des Schwarzwassertals, in den Auenwäldern der Schwarzen Pockau, wo die Buchen so dicht standen, dass der Himmel verschwand. Hier war ihre Festung. Hier galten keine Gesetze. Die Büttel aus Dresden durchkämmten die Dörfer, doch die schwarze Garde blieb unsichtbar. Die Beute wurde geteilt, das Silber eingeschmolzen, das Geld an Hehler im sächsisch-böhmischen Grenzgebiet weitergegeben. Lips kannte die Männer, die ihm halfen: Wirte, Schmuggler, Händler, die für einen Anteil am Gewinn jedes Risiko eingingen. Einer von ihnen war Samuel Schmieder aus Niederbobritzsch, ein Mann mit einem Gesicht, das nichts verriet, und einem Keller, der tief in den Fels reichte. Lips vertraute ihm mehr als jedem anderen. Vielleicht war das sein Fehler.

Die Legende wächst.

In den Schenken zwischen Chemnitz und Annaberg erzählte man sich Geschichten. Lips Tulian war nicht mehr nur ein Räuber. Er war der Geist der Wälder, der Mann, der den Rittern von Pillnitz entkommen war. Manche nannten ihn die unbesiegbare Bande, doch es war ein Name voller Spott. Die Obrigkeit setzte eine Belohnung aus, eine Summe, die selbst Väter gegen ihre Söhne aufbrachte. Lips hörte davon, als er im Burkhardtswald lagerte. Ein alter Köhler brachte die Nachricht. Lips lächelte, band dem Mann einen Taler auf die Hand und verschwand im Dickicht. Er wusste, dass jeder Wald seine Zeit hatte. Auch dieser. Die Männer der schwarzen Garde wurden unruhig. Sie spürten, dass sich die Schlinge zuzog, dass die Soldaten näher kamen, dass die Dörfer nicht mehr sicher waren. Lips beruhigte sie, sprach von neuen Wegen, von der Grenze nach Böhmen, von einem Leben jenseits der Verfolgung. Doch in seinen Augen war etwas, das die Männer beunruhigte. Eine Müdigkeit, die nicht von den Strapazen kam. Eine Ahnung, dass die Zeit der unbesiegbaren Bande sich dem Ende zuneigte.

Die Diebeshöhle im Osterzgebirge.

Im Osterzgebirge, nahe Klingenberg und Colmnitz, lag ein Felsen aus Quarz und Rhyolith, in dessen Schatten sich eine natürliche Höhle öffnete. Die Männer nannten sie die Diebeshöhle, denn hier hatten sie manche Nacht verbracht, das Raubgut gezählt, Pläne geschmiedet, Wunden versorgt. Lips saß gern am Eingang der Höhle, den Blick auf den Colmnitzbach gerichtet, der unten im Tal plätscherte. Hier fühlte er sich sicher, obwohl er wusste, dass die Obrigkeit von diesem Versteck wusste. Die Bauern der Umgebung hatten es verraten, längst, gegen ein paar Münzen oder aus Angst. Lips Tulian war nicht blind. Er wusste, dass die Höhle nur noch eine Frage der Zeit war. Und doch kehrte er immer wieder hierher zurück, als wollte er das Schicksal herausfordern. Eines Nachts, als die Männer schliefen, trat er vor die Höhle und blickte in den Himmel. Die Sterne standen kalt und klar, und er dachte an sein Leben, an den Jungen, der er einmal gewesen war, an den Mann, der er geworden war. Er bereute nichts. Er bereute nur, dass er nicht früher erkannt hatte, dass die Freiheit ein flüchtiger Gast war.

Die Rache der Ritter.

Die Ritter vom Keppschloss schämten sich. Lips hatte sie gedemütigt, zweimal. Der Burghauptmann, ein Mann mit Narben im Gesicht, rief seine Reiter zusammen. Er sprach von Rache. Er sprach davon, dass die Ehre des Hauses nur mit Blut wiederhergestellt werden könne. Die Reiter schworen ihm den Eid. Sie durchkämmten die Wälder nicht länger planlos. Sie legten Hinterhalte, befragten Bauern, zündeten Hütten an, wenn sie keine Antwort erhielten. Die Jagd wurde erbarmungslos. Lips spürte, wie sich die Schlinge zuzog. Er war kein Geist. Er war ein Mann, und Männer konnten sterben. Die schwarze Garde wurde vorsichtiger, mied die bekannten Wege, wechselte die Lager jede Nacht. Doch die Ritter waren geduldig. Sie kannten die Wälder, die Dörfer, die Gesichter. Sie setzten Spitzel ein, versprachen Straffreiheit, drohten mit dem Galgen. Einer nach dem anderen wurden Lips‘ Verbündete verhaftet, verhört, gebrochen. Die Namen fielen, die Verstecke, die Pläne. Lips merkte, dass er nicht mehr der Jäger war, sondern der Gejagte. Und er wusste, dass jeder Tag sein letzter sein konnte.

Der Verrat in der Nacht.

Der Verrat kam nicht von außen, sondern von innen. Ein Mann aus der schwarzen Garde, dessen Namen Lips später nie wieder aussprach, ging zu den Soldaten. Er bot ihnen das Lager am Schwarzwasser an, gegen Geld und das Versprechen, sein eigenes Leben zu schonen. Die Soldaten nahmen an. In einer Nacht, die so dunkel war wie die, in der Lips die Schifferkirche geplündert hatte, umstellten sie das Lager. Lips erwachte von einem Geräusch, das nicht in die Stille passte. Er griff nach dem Degen, doch die Zelte waren bereits umzingelt. Die Männer wehrten sich, aber die Übermacht war zu groß. Lips kämpfte, bis ihm die Klinge aus der Hand geschlagen wurde. Man fesselte ihn, schlug ihn nieder, zerrte ihn auf ein Pferd. Der Verräter stand abseits, das Gesicht im Schatten. Lips sah ihn an, nur einen Moment. Dann lachte er. „Du wirst dein Geld nicht ausgeben“, sagte er. „Die Obrigkeit hält keine Versprechen.“ Der Verräter antwortete nicht. Doch Lips behielt recht. Noch im selben Jahr wurde er gehängt, zusammen mit den anderen Verrätern, die man nicht mehr brauchte.

Die Gefangennahme.

Lips Tullian wurde 1711 in Böhmen erneut gefasst und nach Dresden ausgeliefert. Die Reise dauerte Tage, und die Kälte kroch ihm in die Knochen. Er trug schwere Halseisen, Handfesseln, Fußketten. Die Wächter schlugen ihn, wenn er zu langsam ging, und warfen ihm Brot, das hart war wie Stein. Doch Lips schwieg. Er wusste, dass die Obrigkeit ihn brauchte, nicht nur als Gefangenen, sondern als Beispiel. August der Starke wollte den Kampf gegen das Bandenwesen demonstrieren, und Lips Tulian war das Symbol. Man sperrte ihn in die Kasematten der Festung Dresden, in eine Zelle, die feucht und dunkel war. Die Wände waren mit Moos bedeckt, der Boden mit Stroh, das nach Schimmel roch. Lips lag auf dem kalten Stein und starrte in die Finsternis. Er dachte an die Wälder, an die Freiheit, an die Männer der schwarzen Garde, die jetzt ohne ihn auskommen mussten. Er dachte an die Schifferkirche, an den Schatz, an die Flucht über die Elbe. Und er dachte an den Tod, der ihn erwartete.

Die peinliche Befragung.

Das damalige Strafrecht erforderte für ein Todesurteil entweder zwei Augenzeugen oder ein volles Geständnis. Um das Geständnis zu erpressen, wurde Lips Tullian der Folter unterworfen. Man band ihn auf die Streckbank, zerrte an seinen Gliedern, bis die Knochen krachten. Er schrie, doch er nannte keine Namen. Erst als sie ihm die Daumenschrauben anlegten, brach er. Er gestand seine eigenen Taten, die Diebstähle, die Einbrüche, die Überfälle. Und er nannte die Namen seiner Komplizen, die Schlupfwinkel, die Händlergründe. Die Schreiber protokollierten alles, Seite um Seite. Lips sprach mit ruhiger Stimme, als berichtete er von einer Reise, nicht von Verbrechen. Die Folterknechte schauten sich an, verwundert über die Gelassenheit des Gefangenen. Lips wusste, dass er verloren hatte. Aber er wollte nicht als gebrochener Mann sterben. Er wollte als Lips Tulian sterben, als der Räuber, der den Rittern von Pillnitz entkommen war, als der Geist der Wälder, als der Mann, den die Obrigkeit fürchtete. Und so sprach er, klar und ohne Zittern, bis alles gesagt war.

Das Urteil wird gesprochen.

Das Gericht tagte im November. Die Halle war voll. Lips stand mit gebundenen Händen vor den Richtern, die in ihren Talaren saßen wie Raben. Man las ihm die Taten vor: Kirchenraub, Landfriedensbruch, Widerstand gegen die Obrigkeit. Lips schwieg. Die strenge Gerechtigkeit der Richter kannte kein Pardon. Das Urteil war gefällt, bevor der letzte Zeuge gesprochen hatte. Lips Tulian wurde zum Tode durch Enthauptung verurteilt. Das Datum war der 8. März 1715. Er nahm es an, wie er alles angenommen hatte: ohne Furcht, ohne Reue. Als die Richter ihn fragten, ob er noch etwas zu sagen habe, hob er den Kopf und blickte in die Menge. „Ich habe genommen, was andere bewachten“, sagte er. „Und ich habe gelacht, als sie mich jagten. Das ist mehr, als die meisten von euch je tun werden.“ Die Halle murmelte, die Richter wurden rot vor Zorn. Lips lächelte, und man führte ihn hinaus, zurück in die Zelle, zurück in die Dunkelheit. Er wusste, dass er nur noch wenige Monate zu leben hatte. Aber er wusste auch, dass sein Name bleiben würde.

Die Zeit im Kerker.

Die Monate im Kerker waren lang und still. Lips Tullian saß in seiner Zelle, die Ketten schwer an Händen und Füßen, und wartete. Er bekam Besuch von einem Priester, der ihm die Beichte abnehmen wollte. Lips sprach mit ihm, aber nicht über seine Sünden. Er sprach über die Wälder, über den Klang der Hufe auf gefrorenem Boden, über den Geschmack von Freiheit. Der Priester hörte zu, ohne zu urteilen, und ging schließlich mit einem Segen, den Lips nicht erbat. Die Wächter behandelten ihn mit einer Mischung aus Furcht und Respekt. Manche brachten ihm zusätzliches Brot, andere flüsterten Geschichten über ihn, die sie in den Schenken gehört hatten. Lips hörte sie und schwieg. Er wusste, dass die Legende bereits größer war als der Mann. Sie würde ihn überleben, das war gewiss. In den letzten Tagen vor der Hinrichtung schrieb er keinen Brief, hinterließ keine Botschaft. Er saß nur da, in der Dunkelheit, und dachte an die Frau, die er einmal geliebt hatte, an die Pferde, die er geritten war, an die Nächte, in denen die schwarze Garde durch die Wälder zog. Alles zog an ihm vorüber, wie ein Fluss, der ins Meer fließt.

Der 8. März 1715.

Am Morgen des Hinrichtungstages lag Schnee in Dresden. Lips wurde auf das Schafott geführt, die Hände gefesselt, den Blick geradeaus. Die Menge stand dicht gedrängt, um den berüchtigten Räuber zu sehen. Zwanzigtausend Menschen säumten die Straßen, so berichteten es die Chronisten später. Lips suchte unter den Gesichtern seine Männer. Er fand keinen. Der Weg zum Rabenstein vor den Toren der Stadt war lang, und die Kälte biss durch den dünnen Stoff seines Hemdes. Lips zeigte keine Furcht. Er ging aufrecht, als schritte er über eine Wiese, nicht über den Weg zur Hinrichtung. Auf dem Schafott bat er um eine Prise Schnupftabak, so erzählt man sich, und der Scharfrichter gewährte ihm die Bitte. Lips nahm die Prise, nieste, lächelte. Dann legte er den Kopf auf den Block. Der Scharfrichter hob das Schwert. Lips dachte an den Winterabend, an die Schifferkirche Maria am Wasser, an den Schatz, den er nie hatte zählen können. Er dachte an die Wälder des Erzgebirges, an die Freiheit, die keine Obrigkeit bezwingen konnte. Dann fiel das Schwert, und Lips Tulian wurde enthauptet vor den Augen der Menge. Sein Kopf fiel in den Korb, sein Körper sank zu Boden. Die Legende aber blieb.

Die Legende kehrt zurück.

In Pillnitz erzählt man sich noch heute die Legende vom Räuber Lips Tulian. Wer nachts an der Schifferkirche vorbeikommt, hört zuweilen Hufschlag, der im Wind verweht. Im Hofladen am Keppschloss verkauft man immer noch Früchte für harte Taler, und die Schlossfähre setzt Gäste über die Elbe. Nur wer genau hinsieht, erkennt zwischen den Bäumen des Elbufers noch die Spur derjenigen, die sich der Gerechtigkeit entzogen. Lips Tulian wartet in den Wäldern. Womöglich kehrt er eines Tages zurück.

Das Nachwort der Legende.

Die Beute der schwarzen Garde wurde größtenteils eingeschmolzen, das Silber zu Münzen gepresst, das Gold zu Barren gegossen. Doch die Sagen des Erzgebirges erzählen von Verstecken, die nie gefunden wurden: die Lips-Tulian-Felsen am Colmnitzbach, die Diebeshöhle im Osterzgebirge, der unterirdische Gang in Niederbobritzsch. Niemand weiß, ob dort noch Schätze ruhen, vergraben unter Laub und Zeit. Vielleicht ist das die wahre Strafe des Räubers: dass sein Gold bis heute ein Geheimnis bleibt, ein Flüstern, das die Schatzsucher lockt und die Kinder aufhorchen lässt. Und so lebt Lips Tulian weiter, in den Steinen, in den Wäldern, in den Geschichten, die an langen Winterabenden am Feuer erzählt werden. Er ist nicht tot. Sein Schatten wartet auf eine Rückkehr .


In stiller Verbundenheit mit allen,
die der Obrigkeit ein Schnippchen schlugen,
und mit einem Gruß von der Elbfähre, Ihr Erzähler von der schwarzen Garde.

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*Der geneigte Leser möge es uns nachsehen, dass wir uns bei Namen und Örtlichkeiten gelegentlich der erzählerischen Freiheit bedienen. Was die Jahre, die Kriege, die Diktaturen, die Rechtschreibreformen und all jene, die glaubten, die Geschichte müsse neu geordnet werden, an Wegen, Flurnamen und Wirtshausschildern verschluckten – wir haben sie nicht gesucht. Ein Räuber, der sich in den sächsischen Wäldern versteckt, hält sich ohnehin nicht an Katasterpläne. Und sollte der eine oder andere Hofladen heute anders heißen als damals, so sei dies dem Fortschritt geschuldet, der bekanntermaßen kein Gedächtnis hat.

Quellenangaben:
Inspiriert von jenen, die in den Wäldern Sachsens verschwinden und dort bleiben, bis sie zur Legende werden.
Stadt Dresden: Schloss Pillnitz
Schifferkirche Maria am Wasser
Sagenhaftes Sachsen: Räuber Lips Tulian
Lips Tullian – Geld oder Leben im Schlösserland Sachsen
Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen,
Meyers Konversations-Lexikon 3. Auflage 1874 - 1884
Wikipedia – Die freie Enzyklopädie
Verwendete Hilfsmittel / Methodik:
Diese Geschichte wurde nicht erfunden, sondern bei strengem Frost in sächsischen Wälder aufgezeichnet, zwischen dem Echo des Hufschlags, dem Knirschen von Stiefeln im Schnee und vergilbten Akten sächsischer Justiz.
Wenig KI-generierter Inhalt aber viel EU-Transparenzpflicht Hinweis: Dieser Text entstand mit Unterstützung diverser KI-Wesen aus nichtsächsischen Ländereien, wurde anschließend redaktionell gebändigt und mit folgenden Artefakten veredelt:
🔍 Das allwissende Google-Orakel zeigte die Fährten von der Gegenwart in die Vergangenheit.
📜 Papyrus Autor, Version 11.09d Win64 vom 16.5.2023, mein digitaler Gehilfe, verwandelte sächsisches Rohmaterial in deutsche Hochsprache.
🔼 Frostschrift-Lesung, entzifferte Spuren im gefrorenen Boden sächsischer Wälder.
🕹 Eisenoxid-Dekonstruktion, analysiert den Geruch von Blut und kaltem Metall in mitternächtlicher Nachtluft.
🚘 Hufschlag-Phonetik, übersetzt das Donnern der Pferdehufe in den Rhythmus der Flucht.
💥 Rauchzeichen-Philologie, entschlüsselt die Signale der schwarzen Garde aus der Ferne.
👁 Gefrorenes-Gras-Archäologie, gräbt längst vergessene Fußspuren aus der Wintererde.
⚡ Schafott-Echo-Lokalisierung, fängt das letzte Lachen von Lips Tulian im Wind ein.
🌲 Dunkle-Forst-Topologie, kartografiert die Verstecke und Schlupfwinkel der Gesetzlosen.

So ward aus dem Hufschlag der Verfolgung ein Rhythmus der Freiheit, aus dem Klirren der Ketten ein Echo der Legende und die Geschichte wurde zu einem Denkmal für alle, die sich der Obrigkeit entzogen.

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Neben den Entwicklungen in Venedig gab es unabhängig davon ganz unterschiedliche Ausbildungen in anderen Regionen, in alemannischen Bereichen anders als in Bayern oder den Rheingebieten. Und sie haben trotzdem ausgeharrt Tag und Nacht und haben zugenommen an Liebe und Elend. Wir wissen von der und der, weil Briefe da sind, die wie durch ein Wunder sich erhielten, oder Bücher mit anklagenden oder klagenden Gedichten, oder Bilder, die uns anschauen in einer Galerie durch ein Weinen durch, das dem Maler gelang, weil er nicht wußte, was es war. Haltloses und unzivilisiertes Verhalten, das nach Meinung der Bildungsbürger an den Tag gelegt wurde, blieb nicht ohne Auswirkung auf die Jugend der besseren Schichten. Dieses Buch stammte aus der Feder eines italienischen Historikers und Antiquars Lodovico Antonio Muratori, oft auch als Vater der italienischen Geschichte bezeichnet. Die Kälte drang immer dichter an uns heran, und schließlich sagte Maman, wenn die kleinen, ganz feinen Klöppelspitzen kamen: Oh, jetzt bekommen wir Eisblumen an den Augen, und so war es auch, denn es war innen sehr warm in uns. Es äußerte sich bei vielen jungen Leuten, die sonst wohl auf Bildung Anspruch machen, ein zügelloser Mutwille, der gesetzten Personen äußerst anstößig war. Die Bräuche veränderten sich, manche verschwanden, andere entstanden neu, gerade auch im Kölner Karneval. Greisinnen, die verhärtet waren, mit einem Kern von Köstlichkeit in sich, den sie verbargen. In diesem Buch von Muratori (Band 12 einer umfangreichen Arbeit über die Geschichte Italiens) wird ein Schriftstück von Falier, eben dem Dogen von Venedig im Jahre 1094 genannt. Die Raab und die Save, die Mürz und die Sann, der Karst und der Gletscher, die Tiefebene und das Hochplateau, der Graf und der Conte, der Szupan, der Sindaco und der Bürgermeister, der Paprika und die Melone, der Hopfen und das Korn, der Maulbeerbaum und der Ahorn, und der Kachelofen, der Nanos und der Semmering, der Grimming und der Triglav, der Großglockner und der Schöckl, die Zither und der Dudelsack. […] Mehr lesen >>>


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Ich kann in meiner Wohnung Uebrigens steht draußen ein Kurde, der notwendig mit dir zu sprechen hat. Er war eher da als ich, und darum wollte ich ihm den Vortritt lassen; er […]
Einsamer Baum in Herbstwind Zersplissen ist mein Haupt Von schwarzem Wolkenwetter; Herbstwind und Regen raubt die abgestorbenen Blätter: So rag' ich ganz allein Aus ödem […]
Flocken in der Nacht Die Rückreise fast vergangen, nachdenkliches reisen was ich anschaue, lauschst weithin in geheimen Bereich, leb ich meinerseits zweifellos in dem […]

Informatik, systematische Darstellung, Speicherung, Verarbeitung und Die Stille am Dom zu Köln ist der Anfang einer verborgenen Symphonie.

Die Stille am Dom

Der Domplatz, so vertraut und belebt, taucht in die Nacht. Die Lichter der Gaslaternen tauchen das uralte Pflaster in ein warmes, fahles Licht. Doch als die letzte […]

Informatik, systematische Darstellung, Speicherung, Verarbeitung und Das Echo des Schmerzes hat am Kreuzweg eine Wurzel geschlagen, wird begraben und wartet auf seine stumme Blüte.

Das Echo des

Ein schmaler Umschlag ohne Absender, ein unerwartetes Päckchen Hoffnung in der bleiernen Leere des Lebens. Ein Jahr war vergangen, seit die Stille die einzige Antwort […]

Informatik, systematische Darstellung, Speicherung, Verarbeitung und Jeder Regentropfen ist ein geheimer Türöffner in die Vergangenheit dieser Welt.

Jeder

Die Welt war eingekapselt in der trockenen Stille der Wohnung, bis ein ungestümer, beinahe unwiderstehlicher Impuls einen Mann in das lebendige Chaos hinauszog. Es war […]